Geldregen für die Bundesliga: Fluch oder Segen?
Jetzt ist es also raus. Ab der Saison 2013/14 winkt den Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga ein sattes Einnahmeplus. Im Schnitt 628 Millionen Euro lassen es sich die neuen (und alten) Rechteinhaber kosten, Live-Bilder oder Zusammenfassungen von den Spieltagen in TV und Web zu übertragen. Für den Endverbraucher, also den Fußball-Fan, wird sich zunächst einmal nicht sonderlich viel verändern. Rupert Murdochs Pay-TV-Sender Sky (früher Premiere) zeigt weiterhin alle Spiele live – entweder einzeln oder in der Konferenz. Die „heilige Kuh“, auch bekannt als ARD-Sportschau, bleibt ebenso erhalten wie das Sportstudio im ZDF. Neu im Boot ist der Axel-Springer-Verlang, der via bild.de ab einer Stunde nach Spielende kostenpflichtige Zusammenfassungen im Internet anbieten wird. Soweit, so gut. Aber da fehlt doch einer?! Ja, richtig. Denn leer ausgegangen ist die Telekom, die mit Liga-Total bislang ein dem Sky-Abo ähnliches Programm über IPTV (=Internet) in Deutschland realisierte. Auch diese Rechte gingen dieses Mal an Sky – vorerst zumindest.
Also – alles gut?
Für die Bundesligavereine ist dieser Vertrag ein Quantensprung. Die Einnahmen steigen um etwa 50%! Damit schließt man zum bisherigen Branchenprimus, der englischen „Premier League“, weiter auf. Das eröffnet den deutschen Vereinen neue Möglichkeiten – vor allem auf dem internationalen Transfermarkt. Als Folge dessen könnten Bayern München & Co. auch auf europäischer Ebene wieder eine bedeutendere Rolle spielen und die Dominanz spanischer und englischer Vereine brechen. Die teilweise nicht vorhandene internationale Klasse war bislang einer der wenigen Mankos der Bundesliga – der letzte europäische Vereinstitel wurde 2001 errungen. Also – goldene Zeiten für den deutschen Vereinsfußball? Ja, möglicherweise. Wenn da nicht…
Sky
Der Knackpunkt dieses Deals ist ausgerechnet der Rechteinhaber Sky. Dadurch, dass man sich in einem Bieterstreit mit der Telekom befand, stieg auch für den deutschen Bezahlsender der Preis – von 250 auf jetzt 486 Millionen Euro pro Saison. Warum das problematisch ist? Sky kämpft seit Jahren um das finanzielle Überleben. Schwarze Zahlen bilden eher die Ausnahme. Ohne die eine oder andere Finanzspritze Murdochs wären wohl schon vor einiger Zeit dort die Lichter ausgegangen. Kurzum: Für Sky ist der zu zahlende Preis wohlmöglich zu hoch. Erinnerungen werden wach an den einstigen Vertrag mit der Kirch-Gruppe. Auch sie zahlte damals vorher nie gekannte Summen für die Übertragungsrechte. Es folgte die Insolvenz – mit der Konsequenz, dass die Bundesliga in finanzieller Hinsicht vorerst kleinere Brötchen backen musste. Dessen ungeachtet ist der Erhalt der Bundesliga-Rechte für Sky „alternativlos“. Denn ohne dieses Fußball-Paket wäre dem Abo-Sender sein Kernprogramm abhanden gekommen. Es hätte wohl eine Abwanderung der Abonnenten in Massen zur Folge gehabt. Insofern musste der Sender zwischen Pest und Cholera wählen. Die Bundesliga weiterhin live auszustrahlen war wohlmöglich das kleinere Übel.
Sublizenz für die Telekom?
Doch wir wollen auch nicht schwarz malen. Wie erwähnt blieb die Telekom im Bieterrennen außen vor. Das heißt aber noch lange nicht, dass Liga Total eingestellt wird. Denn nicht unwahrscheinlich ist eine Art Sublizenz, welche Sky der Telekom anbieten könnte. Konkret heißt dies, dass man die IPTV-Rechte an den Bonner Konkurrenten weiterreicht – für ein hübsches Sümmchen versteht sich. Damit wären alle Seiten wohl zufrieden. Die Telekom könnte ihr etabliertes Programm weiterhin ausstrahlen. Denn auch Liga Total ist ein Hauptbestandteil des TV-Angebotes („Entertain“) der Telekom. Sky wiederum könnte damit die jährlichen Belastungen um einen ordentlichen Betrag reduzieren.
Und trotzdem: Was bleibt, ist auch ein Stück weit Hoffnung. Die Hoffnung, dass Sky sich nicht überhebt und dieser Deal funktioniert. Denn eine erneute „Pleite“ würde die Bundesliga international wohl wieder um Jahre zurückwerfen.






