Der rot-grüne Sargnagel
Die Schwäche der FDP stellt die Unionsparteien vor ein Problem. Ihnen bricht ein potenzieller (wenn nicht gar der „natürliche“) Koalitionspartner weg. Eigentlich ein Traumzustand für die Opposition, insbesondere für Rot-Grün. Umfragen sahen auch über einen langen Zeitraum gute Chancen, dass nicht nur im Bund sondern auch in einigen Bundesländern Bündnisse aus SPD und Grünen ein Revival erleben können. Doch die Halbwertzeit von Umfragen, davon kann die FDP ein Lied singen, reduziert sich einmal mehr. Denn die Zahlen der vergangenen Wochen, sofern sie sich denn bestätigen sollten, zeigen ein Bild, welches nicht ganz dem Geschmack von Sigmar Gabriel oder Jürgen Trittin entsprechen: Rot-Grün ist im Bund ohne Mehrheit. Und jetzt rückt auch noch der (fast schon sicher geglaubte) Wahlsieg in Schleswig-Holstein in etwas weitere Ferne. Aus rot-grüner Sicht ein Dilemma.
Piraten spucken in die Suppe
Die „Schuldigen“ sind schnell ausgemacht. Es sind die Piraten, die dem rot-grünen Lager wohl die benötigten Stimmen „klauen“. Zweistellige Umfragewerte für die Emporkömmlinge sind keine Seltenheit mehr. Dieser Zustand könnte die etablierten Lager Schwarz-Gelb und Rot-Grün vor ein ernsthaftes Problem stellen: Das Fehlen einer parlamentarischen Mehrheit. Dadurch kommen zugleich neue und alte Konstellationen wieder ins Gespräch. So zum Beispiel Schwarz-Rot bzw. Rot-Schwarz – auch bekannt als Große Koalition. Dafür wird es wohl auch in Jahrzehnten immer noch reichen. Ob es für beide Seiten eine gute Wahl ist, sei einmal dahingestellt. Für den Bund ist es wohl die logischste und wahrscheinlichste Variante, wenn es für eine „klassische Lösung“ nicht reichen sollte. Es sei denn, die Grünen wechseln die Seiten zu Merkel und Seehofer. Schwarz-Grün ist zwar nicht mehr ganz neu – eine Überraschung auf Bundesebene wäre es aber durchaus. Und die Alternativen? Sie bestehen allesamt aus farbenfrohen Dreier-Bündnissen: Schwarz-Gelb-Grün (=Jamaika), Rot-Rot-Grün, Rot-Gelb-Grün (Ampel), Rot-Grün-Orange (Paprika). Okay, das können wir weiterspinnen zu Rot-Gelb-Orange (irgendwie auch Paprika), Schwarz-Grün-Orange oder Schwarz-Gelb-Orange. Irgendeine Variante vergessen?
Orange muss Farbe bekennen
Zum Problem werden die starken Werte der Piraten allerdings auch für diese selbst. Denn aufgrund ihrer grundsätzlichen demokratischen Gesinnung werden sie als potenzielle Koalitionspartner in Betracht gezogen werden – vielleicht schon früher, als ihnen lieb ist. Dann werden sie gezwungen sein, sich zu bekennen, ob sie regieren oder opponieren wollen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sie sich verhalten werden, wenn die Machtoption Realität wird.






